Im Frieden verbunden
Lange bevor die Geschichte in Büchern festgehalten wurde – und noch weit vor der Zeit, aus der uns die ersten bekannten Namen überliefert sind –, war Europa von ungenannten, tief in der Erde verwurzelten Urvölkern besiedelt. Es ist die nachfolgende Epoche der Kelten ab etwa 800 vor Christi Geburt, über die uns heute das meiste Wissen überliefert wurde und deren Spuren uns greifbar entgegentreten. Doch Hand in Hand mit ihnen formten auch die germanischen Stämme, deren wahres, uraltes Wesen weit älter und tiefer reicht als die Zerrbilder späterer Epochen, das gemeinsame Fundament des Kontinents. Die Formung dieser europäischen Völker vollzog sich in tiefem, dauerhaftem Frieden. Ihr Recht suchte stets den Ausgleich, statt das Leben zu nehmen – eine systematische Todesstrafe für Vergehen war diesen Urkulturen fremd.
Erst mit dem Einzug des Christentums und der Institutionen von Kirche und Papsttum hielten furchtbare Dogmen Einzug auf dem europäischen Kontinent, die Jahrhunderte später im Schrecken der Hexenverbrennungen gipfelten. Für die frühen Kelten und Germanen wäre es undenkbar gewesen, eine Seherin, eine Völva, zu verbrennen; im Gegenteil bildete das Nemeton – die heiligen Haine und Wälder der Kelten – das unantastbare spirituelle Zentrum des Daseins. Geleitet von der naturverbundenen Weisheit der keltischen Druiden an den heiligen Brunnen und Bäumen des Vidu, und getragen von der friedlichen Ordnung des germanischen Thing, der feierlichen Ratsversammlung der Stämme, entfalteten sich rechtmäßige Gemeinschaften in großen jahreszeitlichen Zusammenkünften. Aus dieser friedvollen Absicht und der tiefen Verankerung in der Erde entstand schließlich jene geistige Kraft, auf der das europäische Zusammenwirken bis heute aufbaut.